geschäftsreisen oder virtuelle meetings?

Für die ,,neue Normalität'' nach der Pandemie brauchen wir ein geschärftes Bewusstsein

Ein Reisender sitzt im Wartebereich eines Flughafens

Wie sieht die Zukunft von Geschäftsreisen im „New Normal“ aus? Sind wir bald wieder wie vor der Pandemie unterwegs oder nur noch, wenn es gar nicht anders geht?

Ich habe mich vor Pfingsten mit einem pointierten Beitrag an einer Diskussion auf LinkedIn beteiligt und darauf sehr viele Reaktionen bekommen – überwiegend Zustimmung, aber auch kluge Hinweise auf Aspekte, die ich in meinem 1.000-Zeichen-Statement nicht erwähnt hatte. Deshalb gibt es hier nun eine etwas ausführlichere Fassung mit mehr Einordnung.

Natürlich geht es bei Geschäftsreisen um Sicherheit und Gesundheit, aber eben auch um sehr viel Geld: 2018 haben Unternehmen in Deutschland fast 54 Milliarden Euro für alle mit Geschäftsreisen verbundenen Aufwände ausgegeben – eine astronomische Summe, deren Gegenwert nun womöglich stärker als bisher hinterfragt wird.

Auch Ritchie Pettauer hatte in einem Expertenstatement für Nimirum schon einen gewissen Wandel prophezeit: „Der Beratungs-Branche wird Covid19 auch nach dem Ende des Lockdowns viele Kilometer ersparen.“ Womöglich gilt das nicht nur für diese Branche.

Mir geht es nicht darum, Geschäftsreisen per se zu diskreditieren, denn ich weiß sehr wohl um den Wert persönlicher Treffen und den gemeinsamen Austausch vor Ort. Menschen sind nun einmal soziale Wesen. In den vergangenen 15 Jahren als Berater und Projektleiter habe ich es allerdings oft erlebt, dass physische Termine stattfanden, die mühelos auch virtuell zum selben Ergebnis geführt hätten. Und ich bin offenbar nicht der einzige, dem es so geht, wie ich aus Gesprächen mit Kolleg*innen und aus zahlreichen Berichten weiß.

Warum also für solche Allerweltstermine reisen, Zeit und Geld aufwenden und die Umwelt und das Klima schädigen? Weil es jahrzehntelang so üblich war, weil der Kunde (König) den Dienstleister (Hofnarr) einbestellt, weil Berater Statusrituale und Klischees pflegen, weil man um sein Standing fürchtet, weil der Vertrieb nun einmal auf die Straße gehört.

Während der Pandemie haben auch die Traditionalist*innen in Unternehmen erkennen können, dass vieles virtuell (sehr) gut funktioniert, wofür man sich bisher physisch getroffen hat. Die digitalen Tools sind da, meist fehlt es noch an der digitalen Kultur – am digitalen Reifegrad von Organisationen. Wie also soll die neue Normalität aussehen?

Ich wünsche mir ein geschärftes Bewusstsein, dass alle Beteiligten bei routinemäßigen Terminen von vielleicht zwei Stunden Dauer genau überlegen, ob dafür sogar mehrere Menschen insgesamt einen Tag unterwegs sein und erhebliche Kosten verursachen müssen. Sie sollten sich fragen, ob der Gegenwert über das hinausgeht, was ein digitales Meeting erreicht.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit diesem Thema? Wie werden Sie es künftig mit Geschäftsreisen halten? Lassen Sie es mich wissen. Ich freue mich auf den Austausch.

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Foto:  Free Photos auf Pixabay

Veröffentlicht am 04.06.20