die disruptive krankheit

Wie das Coronavirus die Arbeitskultur der Zukunft fördern kann

Leere Regale in Supermärkten, abgesagte Großveranstaltungen, geschlossene Schulen, ein Ansturm auf Schutzmasken und Desinfektionsmittel: Die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland hat erste sichtbare Auswirkungen auf den Alltag. Auch im Berufsleben zeigt es sich: Einige Unternehmen haben ganze Standorte vorübergehend geschlossen und lassen ihre Mitarbeiter*innen von zu Hause arbeiten, andere werden mit ähnlichen Lösungen nachziehen.

In einer Marktwirtschaft, in der viele Firmen mit der zeitlichen, organisatorischen und räumlichen Flexibilisierung von Arbeit nach wie vor fremdeln, ist dieser Virus ein Impuls, der die Arbeitskultur in Deutschland weit mehr verändern kann als alle Aufsätze, Vorträge und Reden der vergangenen Jahre zusammen.

Natürlich gibt es einzelne traditionelle Arbeitgeber, die ihre Kultur, ihre Prozesse und ihre Organisation heute schon radikal verändert haben – oder eben junge Unternehmen, die gleich an diesem Punkt aufsetzen. Früher gehen, ob nun um die Kinder aus der Kita abzuholen oder einfach den Sonnenschein zu genießen, einen Tag pro Woche außerhalb des Büros oder nur vier Tage zu arbeiten – das ist vielerorts noch das Nonplusultra und kommt zusammen mit Kicker, Obstkorb und Getränken als postkapitalistische Segnung unter dem Label „Work-Life-Balance“ daher. 

Und natürlich gibt es Branchen, Aufgaben und Tätigkeiten, die an Ort und Zeit gebunden sind. Aber auch hier lassen sich Dinge ändern.

Vertrauensarbeitszeit, Vertrauensarbeitsort, eigenverantwortliche Teams – für viele Unternehmen ist es noch ein weiter Weg zu New Work, agilem Arbeiten oder jedem anderen Modell jenseits des eingetretenen Pfades. Die Erfahrungen, die Unternehmen jetzt im Umgang mit dem Coronavirus machen, können dabei hilfreich sein. Sie zeigen erstens, dass weder die Welt noch die Firma zwangsläufig untergehen, wenn sich Dinge – manchmal auch radikal – ändern. Sie zeigen zweitens, dass es belohnt wird, Strukturen, Regeln und Prozesse infrage zu stellen und anders zu denken und zu agieren als bisher.

Sie zeigen drittens und vor allem, dass in vielen Fällen das Management, oft das mittlere Management, sich selbst, seine Rolle und das Verständnis von Führung neu definieren muss – weg von Hierarchieverhalten und Top-down-Entscheidungen, hin zu Kollaboration, Transparenz, Befähigung, Moderation und Feedback. Auch das ist ein weiter Weg und womöglich der schwierigste von allen.

Unternehmen, die in der aktuellen Situation – wenn auch notgedrungen – Wege finden, ortsunabhängig und zeitlich flexibel miteinander zu arbeiten, obwohl z.B. Serverstrukturen und Systemzugänge darauf nicht immer ausgelegt sind, gewinnen wertvolle Erfahrungen. Sie sollten nach dem Abflauen des Coronavirus nicht einfach zur gewohnten Tagesordnung übergehen, sondern diesen unfreiwilligen Stresstest nutzen, um daraus in einem interaktiven Prozess eine flexible und zukunftsfähige Arbeitskultur und -organisation zu entwickeln.

Veränderung braucht manchmal einen äußeren Anstoß, im eigenen Leben wie in Unternehmen und Organisationen. Vielleicht muss man eines Tages, wenn die Kosten des Coronavirus auf die Wirtschaftsleistung bilanziert werden, den Gewinn für die Modernisierung des Arbeitslebens in Deutschland gegenrechnen.


Haben auch Sie in ihrem beruflichen Alltag Erfahrung mit außergewöhnlichen Situationen gemacht, die sich positiv auf das Unternehmen ausgewirkt haben? Lassen Sie es mich wissen über den Button Feedback senden“.

#coronavirus #covid #covid19 #newwork #management #people #business #organisation #kultur #transformation

*****

(Foto:
iXimus auf Pixabay)

Veröffentlicht am 02.03.20